Videostreaming aus dem Kinderzimmer

Auf der Live-Streaming Plattform YouNow können Nutzerinnen und Nutzer sich innerhalb weniger Klicks live Zuschauerinnen und Zuschauern präsentieren. Seit 2015 ist die Seite auch in Deutschland durch größtenteils negative Berichterstattung populär. Die von den Medien dargestellten Gefahren und Risiken konnte Prof. Nicola Döring bei einer Untersuchung jedoch nicht bestätigen.

YouNow wurde zwar bereits 2011 gegründet, wurde in Deutschland jedoch erst Ende 2014 bekannt, als ich sich einige (YouTube-) Stars hier live präsentierten. Mit nur wenigen Klicks und einem Faceboock-, Twitter oder Google-Account können sich Jugendliche ab 13 Jahren auf dem Portal anmelden. Sie können dann auf Sendung gehen oder durch ein Chatfenster mit den Streamenden und anderen Zuschauerinnen und Zuschauern direkt in Kontakt treten. Daraus entstehen oft stundenlange Streams, in denen die Darstellenden direkt auf Fragen und Aufforderungen ihrer Zuschauer reagieren.

Die Medien berichten einstimmig von der großen Popularität bei Jugendlichen und den durch die Plattform entstehenden Gefahren. Besonders der leichtsinnige Umgang mit privaten Daten (z.B. genauer Wohnort) und Cybermobbing werden thematisiert. Speziell für Mädchen wird sexuelle Belästigung und ungewollte Nacktheit als größtes Risiko dargestellt.

Tatsächlich nutzen YouNow nur etwa 0,5% der deutschen Jugendlichen. Nachmittags streamen durchschnittlich 350 Jugendliche, die zwischen 0 und 200 Zuschauerinnen und Zuschauer haben. In 150 beobachteten Fällen konnte weder Nacktheit noch die Preisgabe des Wohnorts beobachtet werden. Weitergegeben werden Social Media Profile (z.B. Facebook, Instagram, Snapchat) und selten auch Handynummern. Sexualisierte Kommentare wurden zwar beobachtet, diesen sind Jugendliche allerdings auch im realen Leben ausgesetzt.

YouNow kann daher viel eher als Zeitvertreib für Jugendliche angesehen werden. Die Gesprächsthemen beim so stattfindenden gemeinsamen ‚Abhängen‘ sind meist oberflächlich und auf Äußerlichkeiten beschränkt. Fragen nach dem Alter und Beziehungsstand oder Komplimente für Kleidung oder Frisur sind auf YouNow genauso selbstverständlich wie im realen Leben Jugendlicher.

Medienpädagogische Fachkräfte und Eltern sollten als gelassene Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Jugendliche zur Verfügung stehen. Fragen und auch negative Erfahrungen mit YouNow sollten offen diskutiert werden. Wichtig ist es, Jugendliche in den Bereichen Privatsphäre und Datenschutz, Persönlichkeits- und Urheberrechte und zur Prävention von Belästigung und Mobbing zu schulen. Dies gilt für YouNow ebenso wie für jegliche andere Social Media Nutzung.